Zu den Ergebnissen der Volkszählung im Jahr 2011

15. února 2012

Die Ergebnisse der diesjährigen Volkszählung besagen, dass sich die Zahl der Gemeindeglieder der EKBB auf 52 000 verringert hat. Das ist ein Rückgang um mehr als die Hälfte seit der letzten Volkszählung (im Jahr 2001). Abnehmende Mitgliederzahlen haben wir in den letzten zwanzig Jahren schon zweimal festgestellt. Ähnliche, wenn nicht noch größere „Verluste“ haben auch die anderen größeren und traditionellen Kirchen festgestellt. Was bedeutet dies für uns?

1. Die Ergebnisse können wir bewerten als Unlust, sich zur Institution Kirche zu melden (eigentlich zu jeder beliebigen Institution). Wenn wir dies bedenken, dann haben politische Parteien, die in dieser Gesellschaft über Vieles entscheiden, eine gegenüber den Kirchen vernachlässigbare Mitgliederzahl.

2. Es ist möglich, dass unsere Gemeinschaft nicht anziehend wirkt (zumindest zu einem großen Teil). Wir verstehen uns untereinander, aber unsere Gemeinschaft ist für die anderen nicht interessant. Sind wir langweilig, wenig glaubwürdig, vermögen wir nicht, das Wesentliche was wir haben, so verständlich weiterzugeben, dass es anspricht, Interesse erweckt und danach den Menschen verändert? Oder muss alles Spröde, Faule, Unlebendige, was es in der Kirche gibt, verfaulen, damit endlich das Evangelium mehr zu hören ist?

3. Die Gesellschaft, in der wir leben und wirken, fällt ständig mehr auseinander. Es wächst das Desinteresse gemeinsam etwas zu tun. Die große Zahl derer, die sich freiwillig für ein Leben ohne Partner oder Partnerin entscheiden, bringt zum Ausdruck, dass das Leben mit einem Partner als Belastung und Einschränkung wahrgenommen wird. Das Zerfallen von Ehen spricht genauso von einem Wandel der Welt, in der wir leben. Die Zahl derer, die sich zu keiner Nationalität gemeldet haben, gibt zu erkennen, dass dies schon kein bedeutender menschlicher Wert mehr ist, den man irgendjemandem mitzuteilen hätte. Dies alles signalisiert Entwurzelung, ein Nicht-Verankert-Sein des Menschen, ein Vakuum, wo das Interesse am Nächsten oder auch an irgendwelchen Werten verschwindet.

4. Die Volkszählung teilt uns auch mit, dass auch der tschechische Mensch nicht fähig ist, eine innere geistliche Leere auszuhalten. Die Tatsache, dass eine dreiviertel Million Respondenten die Rubrik „ich glaube, aber dazu brauche ich keine Institution“ ausgefüllt hat, deutet ein Suchen im weiten Angebot verschiedener Arten von Spiritualität an. Die Tatsache, dass die Hälfte der Respondenten die Rubrik über die religiöse Zugehörigkeit nicht ausgefüllt hat, kann bedeuten, dass es ihnen gleichgültig ist, aber auch: Das geht einen Staat nichts an, das ist meine persönliche Sache. Damit wächst von neuem die Wichtigkeit und Notwendigkeit unserer Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit und Verständlichkeit.

5. Die Gemeinschaft der Kirche werden in Zukunft immer mehr aktive Menschen bilden, die nicht gestatten sollten, dass sich die Gläubigen in einem Ghetto einschließen, sich umzäunen, von der Gesellschaft abschneiden. Es wird im Gegenteil wichtig sein, mit den Sympathisanten zu kommunizieren, mit den suchenden Menschen, mit gleichgesinnten Gruppen in der Gesellschaft. Dies bedeutet freilich ein größeres Engagement der Prediger, der Presbyter und überhaupt der aktiven Kirchenmitglieder in der Evangelisation, in der Verkündigung, in Katechese und in der Seelsorge.

6. Die Ergebnisse der Volkszählung sind in dem Bereich Kirchenmitgliedschaft sicher eine sehr relative Größe. Diese Ergebnisse können uns aber auch in gesunder Weise provozieren zum Suchen nach Wegen zum heutigen Menschen und unserer Gesellschaft. Und auch zum Erwerb von Fähigkeiten, mit der Bitte um den Heiligen Geist auf den Lippen, unseren Zeitgenossen auszurichten, was Gott uns geschenkt hat, als er sein Wort, seinen Sohn Jesus Christus, in unsere Welt gesandt hat.

7. Christ zu sein in der heutigen Gesellschaft, die sich durch geistliche Unbestimmtheit auszeichnet, bedeutet, ein Anders-Sein zu ertragen im Denken und im Handeln. Deshalb freuen wir uns auch an denen von Ihnen, die diese Alternative in der heutigen Welt zum Ausdruck gebracht haben und sich rühmen, zu Christus zu gehören. …

Der Synodalrat der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder