Synode der EKBB ruft zum Abbau von Vorurteilen gegenüber den Roma auf

24. května 2011

Der Arbeit für und mit Roma in der Tschechischen Republik widmete die diesjährige Synode der EKBB den ersten Abend ihrer Beratungen. Referate zur Geschichte und aktuellen Situation der Roma standen genauso auf dem Programm wie Informationen zu Bildung und zur religiösen Orientierung. Dazu kam ein Bericht über die Arbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Slowakei. Die Synode beauftragte den Synodalrat, die gehaltenen Referate an die Gemeinden der EKBB zu versenden, um damit zur Bildung und zum Abbau von Vorurteilen gegenüber der Roma-Bevölkerung beizutragen.

Die Synode rief die Gemeindeglieder, die Erfahrungen mit Romas haben, auf, ihre Erfahrungen überall in der Kirche einzubringen, um konkrete Schritte auf diesem Gebiet zu entwickeln. Schließlich brachte die Synode zum Ausdruck, dass sie die Problematik von Minderheiten in der tschechischen Gesellschaft für aktuell hält und deshalb die Gemeinden aufruft, aktiv und in ökumenischer Zusammenarbeit zu einem friedlichen Zusammenleben beizutragen und so die Spannungen zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den Minderheiten zu mildern.

Mit der Sitzung vom 19. bis 22. Mai 2011 nahm die neu gewählte 33. Synode der EKBB ihre Arbeit auf. Sie tat dies im 1347 gegründeten Emmaus-Kloster, in dem die Benediktiner-Abtei der evangelischen Synode einen sehr würdigen Rahmen für ihre Beratungen bot.

Schon der festliche Eröffnungsgottesdienst in der Klosterkirche, in dem die Synodalen von Abt Marian Jan Nepomuk Klener freundlich begrüsst wurden, war ein besonderes Erlebnis, auch durch das Abendmahl das die Synodengemeinde mit ihren Gästen aus der EKBB und der heimischen und internationalen Ökumene feierte. Besonders gedankt wurde im Gottesdienst Pfarrer Vladimír Kopecký, der fast zwanzig Jahre lang Präsident der Synode war. Synodalsenior Joel Ruml überreichte ihm die Dankesmedaille der EKBB.

Zum neuen Präsidenten der Synode wurde Pfarrer Jiří Gruber (58) gewählt. Jiří Gruber ist seit 1998 Pfarrer an der sog. „Roten Kirche“ in Brünn. Seit zwei Jahren ist er auch Senior des Brünner Seniorats.

Neben vielen Ausschuss-Berichten, dem Rechungsabschluss, dem Haushaltsplan 2011 und Wahlen in verschiedene Gremien, hat sich die Synode u.a. mit folgenden Themen beschäftigt:

- Die Tagungs- und Freizeithäuser der EKBB

Seit Jahren beschäftigt sich die EKBB mit der Frage einer Konzeption ihrer fünf Erholungshäuser. Der Synode wurde eine Studie von Giovanni Hohl vorgelegt, einem Experten für diesen Bereich, der auf Bitten der EKBB vom Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) mit diesem Dienst betraut wurde. Die Synode hat seinen Bericht entgegengenommen und hat den Synodalrat beauftragt, auf der Grundlage dieses Berichtes eine detaillierte Konzeption zu erarbeiten, die im nächsten Jahr der Synode vorgelegt werden soll. Dann soll auch darüber entschieden werden, ob und wie eine intensivere Zusammenarbeit der Häuser angestrebt werden soll.

- Strategie zur persönlichen Weiterbildung der Prediger der EKBB

Schon zwei Jahre arbeitete eine Arbeitsgruppe an einem Papier zur persönlichen Weiterbildung und Entwicklung der Pfarrerinnen und Pfarrer der EKBB. Die Arbeitsgruppe ließ sich neben den Erfahrungen innerhalb der EKBB von Erfahrungen in Frankreich (Charta zur lebenslangen Bildung von Pfarrern in der Reformierten und Lutherischen Kirche in Frankreich) und Deutschland (Pastoralkolleg EKD) inspirieren. Die Synode hat die vorgelegte Strategie angenommen und hat damit eine tragfähige Grundlage für dieses wichtige Anliegen der EKBB geschaffen.

- Ein Dokument zum ordinierten Dienst in der EKBB

Die neuen Möglichkeiten und Entwicklungen im Pfarrdienst wie im Bereich des Engagements von Laien macht es immer notwendiger, die Frage des ordinierten Dienstes in der EKBB umfassender zu regeln. Es geht hier z.B. um die Frage des ordinierten Dienstes in Sonderdiensten wie Seelsorge im Militär, in Gefängnissen oder in Krankenhäusern. Die Synode hat das vorgelegte Dokument verabschiedet und den Synodalrat beauftragt, die angesprochenen Fragen in die Ordnungen der EKBB einzuarbeiten und im nächsten Jahr der Synode vorzulegen.

- Eine Synodalsitzung in Mähren

Immer wieder gab es den Vorschlag, eine Synodalsitzung einmal an einem anderen Ort als in Prag abzuhalten. Nun hat die Synode diesen Vorschlag aufgenommen und beschlossen, dass eine Sitzung von den 4 Sitzungen der 33. Synode in Mähren stattfinden soll.

- Hebe Kohlbrugge erhält die Medaille der Dankbarkeit

Ein besonderer ökumenischer Gast auf der Synode war Hebe Kohlbrugge (Jahrgang 1914). Hebe Kohlbrugge, eine Freundin der EKBB und der Evangelisch-Theologischen Fakultät aus Utrecht, hat ihr bewegtes Leben in einer Autobiographie beschrieben (Hebe Kohlbrugge, Zwei mal zwei ist fünf. Mein unberechenbares Leben seit 1914. Leipzig 2003). Diese Biographie wurde nun ins Tschechische übersetzt. Zur Vorstellung dieser Übersetzung ist die 97-jährige sehr rüstige und quicklebendige Autorin persönlich angereist. Ihr Auftritt bei der Synode wie bei der Vorstellung des Buches an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karlsuniversität hat einen tiefen Eindruck hinterlassen. Auf der Synode überreichte ihr Synodalsenior Joel Ruml die Medaille der Dankbarkeit für die lange und zutiefst beeindruckende Verbundenheit mit der EKBB und vielen Menschen in ihr. In ihrer Dankesrede berichtete sie von der Freundschaft mit zwei tschechischen Mädchen im KZ Ravensbrück, von ihrer Korrespondenz in den Nachkriegsjahren und davon, wie sie nach dem kommunistischen Putsch von 1948 nichts mehr von den Mädchen, die im KZ vom Kommunismus geschwärmt hatten, gehört hat. So hat sie 1961 die Einladung zu einer Tagung der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) angenommen, vor allem um diesen Mädchen wieder zu begegnen, die aber leider ganz anders waren und sich nicht auf ihre Frage nach dem Kommunismus und dem Leben in der Tschechoslowakei eingelassen haben. Neben dieser Enttäuschung stand ein Besuch in einem Gottesdienst der EKBB in Jindřichův Hradec in Südböhmen (150 km von Prag entfernt), der unter abenteuerlichen Bedingungen stattfand, da die Organisatoren der CFK alles taten, um einen Gottesdienstbesuch zu verhindern. Doch Hebe Kohlbrugge bestand darauf und nahm auch den langen Weg auf sich, um einen Gottesdienst der EKBB zu besuchen. Seit diesem Besuch ist sie mit der EKBB verbunden und hat sich u.a. viele Jahre für den Studentenaustausch zwischen den Niederlanden und Prag eingesetzt.

- Neben Hebe Kohlbrugge und ihren Begleitern nahmen ökumenische Gäste aus folgenden Kirchen an der Synode teil: aus der Reformierten Christlichen Kirche in der Slowakei, aus der Evangelischen Kirche A.B. in der Slowakei, aus der lutherischen und reformierten Kirche in Ungarn, aus der Waldenserkirche in Italien, aus der Reformierten Kirche in Frankreich, aus der Europäischen Kontinentalprovinz der Brüderunität, aus der Presbyterianischen Kirche in Korea und aus der Presbyterianischen Kirche PC (USA). Die PC (USA) wurde von einer vierköpfigen Delegation vertreten, die auch die Gelegenheit wahrnahm, sich vor Ort mit dem Dienst von Dr. Karen Moritz bekannt zu machen, die seit September 2010 Mitarbeiterin in der Ökumene-Abteilung der Zentralen Kirchenkanzlei ist.

- Die Tagung der Synode ging am Sonntag Kantate, 22. Mai 2011 mit einem festlichen Abendmahlsgottesdienst der Prager Klemens-Kirche zu Ende. Der Stellvertreter des Synodalseniors Pfr. Pavel Kašpar aus Brünn rief in seiner Predigt über Jesu Lobpreis (Matth. 11,25f) dazu auf, in den Lobpreis Gottes einzustimmen, den uns Jesus in seiner Botschaft nahebringt und von den Gelehrten dabei oft nicht verstanden wird, sondern von den Armseligen, den Fischern und Zöllnern. Pavel Kašpar beschließt seine Predigt mit den Worten: Mit diesem Lobpreis und diesem Glauben dürfen wir in die Welt hinausgehen, zu denen, die noch keinen Grund zum Loben haben und dürfen sie lehren, einzustimmen in das „ Dem Sieger zur Ehre lasst uns singen, und lobpreisen“, und vielleicht auch zu den Zeppelinen, ihnen ein bisschen ihre Aufgeblasenheit ablassen, die ihnen auf die Lunge drückt, damit sie Atem holen können und sich dem Lobpreis der Kleinen und Demütigen anschliessen.

- Die zweite Sitzung der 33. Synode wird vom 7. bis 10. Juni 2012 stattfinden. Dazu werden die Partnerkirchen und Organisationen in den deutsch-sprachigen Ländern eine Einladung erhalten.

Gerhard Frey-Reininghaus