Kirchentag - Mit eigenen Augen

23. června 2011

Impressionen vom 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag von Teilnehmern aus der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB)



Eröffnungsgottesdienst

Die Christen feiern vierzig Tage nach den Ostern Christi Himmelfahrt. Auf dem 33. Kirchentag, der am Mittwoch den 1. Juni begann, feierte man großartig. Im Fußballstadion, am Elbufer und auf den daneben liegenden Wiesen, an mehreren Orten im Zentrum fanden ökumenische Gottesdienste statt. In den Sonnenstrahlen, die sich unter den Wolken vordrängten, nahmen an diesen Eröffnungsgottesdiensten fast hundert tausend Gläubige aller Konfessionen teil.

„Das Menschenleben ist immer bedroht von Gefahren, in denen man sich verlieren kann – und nicht die kleinste ist die Faszination des Geldes und der irdischen Besitztümer“, sagte Sachsens Landesbischof Jochen Bohl in seiner Predigt.

„Zwar seien Christen in Sachsen in der Minderheit, doch zeigen sie, dass jeder etwas tun könne für dieses Land“, sagte Bundespräsident Christian Wulff. Er rief die beiden großen Konfessionen – die evangelische und die katholische – zur intensiveren Zusammenarbeit auf. „Wir brauchen den Mut, aufeinander zuzugehen. Dieses Signal sollte von Dresden ausgehen“, fügte er hinzu.




Markt der Möglichkeiten

Der Kirchentag wird schon zur Traditionsschau von allem, was in der Kirche gibt. Achthundert Organisationen, Vereine und Projekte präsentierten ihre Arbeit für die Mitmenschen auf dem Markt der Möglichkeiten. In Dresden gab es den Markt der Möglichkeiten in der Messe in Hallen und Zelten, auf den Wiesen entlang der Elbe und noch an drei anderen Stellen in der Stadt. Die Gruppen von Zelten hatten immer ein Thema: Gesellschaft und Politik, Glaube und Theologie, Kinder- und Jugendarbeit, Senioren usw. An einer anderen Stelle konnte man Stände mit Themen Eine Welt, Hilfe, Fair Trade oder Umwelt finden. Die Diakonie präsentierte ihre Arbeit in eigener Zeltgruppe im Stadtzentrum.

Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder präsentierte ihre Aktivitäten unter dem Ökumenischen Rat der Kirchen in der Tschechischen Republik und bot verschiedene Materialien auf Deutsch und Tschechisch an. Hier konnte man auch Mitarbeiter von der Ökumene-Abteilung der EKBB treffen. Außerdem gab es einen Stand in der Sektion Freizeit-Sport-Tourismus und zwar „Das Erbe der Böhmischen Reformation“. Hier wurde ein Projekt im Bereich Tourismus sowie die Kurseelsorge im westböhmischen Bäderdreieck vorgestellt. An den Ständen gingen viele Besucher vorbei, lasen Texte und Prospekte, beobachteten Bilder und sprachen mit Tschechen, die da Dienst hatten. Viele Besucher sagten, dass sie in Tschechien im Urlaub waren, da Freunde haben und deshalb sie sie begrüßen lassen. Solche Begegnungen bilden ein Beziehungsnetz und sind Beiträge zu der europaweiten Integration.




Deutsch-Tschechischer Gottesdienst mit Abendmahl in der Johannesgemeinde

Seit langem unterhalten die Dresdner Johannesgemeinde und die Prager Salvator-Gemeine eine Partnerschaft. Mitglieder beider Kirchengemeinden bereiteten zusammen einen Gottesdienst während des Kirchentags vor. Der Deutsch-Tschechische Gottesdienst mit Abendmahl fand in der „Ruine“ statt. In der wahren Kirchenruine, die hier seit den Kriegszeiten steht.

In der Kirche ohne Dach und mit den aus dem Fußboden wachsenden Bäumen hielt der Prager Pfarrer Josef Daniel Beneš die Predigt, sang der Gospelchor Gospel & Co, leitete die heimische Pfarrerin Ancot die Liturgie und wurde zusammen Abendmahl gefeiert.


Nach dem Gottesdienst wurden alle in das Gemeindehaus zu Tisch eingeladen. Der tschechische Pfarrer Petr Brodský bereitete mit seinen Mitarbeitern viele tschechische Spezialitäten zu. Tschechisches Bier und Prager Schinken durften natürlich nicht fehlen. So blieben manche nach dem Gottesdienst, nach dem heißen Tag und nach dem Kirchentagtrubel im Gespräch. Der Deutsch-Tschechische Abend beendete mit seinem Konzert Tomáš Najbrt, der sich der alten Musik und den historischen Musikinstrumenten widmet.



Internationaler Gottesdienst auf dem Dresdner Altmarkt

Im Rahmen des Kirchentags gab es Veranstaltungen, die Themen aus den Kirchen Mittel- und Osteuropa behandelten. Manche fanden im Begegnungszentrum in der Dreikönigskirche statt. Auf dem Dresdner Altmarkt wurde ein internationaler Gottesdienst „Versöhnung wagen – Herzen bewegen“ gefeiert. Im Posaunenchor bliesen deutsche, polnische und tschechische Bläser. An dem Gottesdienst beteiligten sich Gläubige aus Ungarn, Polen, Serbien, Slowakei, Tschechien, Lettland und Deutschland. Die Predigt hielt Pfarrerin Ester Čašková aus der EKBB-Gemeinde in Prag-Vinohrady.

Das Thema des Gottesdienstes, in dem alle Sprachen der beteiligten Nationen zu hören waren, war die Versöhnung. Alle hörten die persönliche Erinnerung von den Zeugnissen der Betroffenheit – Marian Sobkowiak, einen Häftling des KZ Lagers, und Anna Palikova-Koncakova, eine Serbin, die Bombenangriffe der NATO in der Stadt Novi Sad erlebte. In der Hoffnung auf Versöhnung grüßten die Leute einander mit dem Friedensgruß.

Zum Schluss lud der polnische Bischof Richard Bogusz alle Anwesenden zu den Christlichen Begegnungstagen in Wroclaw/Polen 2014 (20.-22.6.) ein und übernahm symbolisch Staffelstab von dem Landesbischof Sachsens Jochen Bohl.

text: D. Ženatá