Joel Ruml – 60 Jahre

20. února 2013

Der Synodalsenior der EKBB Joel Ruml wird Ende April sechzig. Er wandert also schon eine Reihe von Jahren durch diese Welt. Zusammen mit ihm haben wir einen langen Weg angetreten, dessen Ränder von gut bekannten Meilensteinen und Wegweisern gesäumt werden: Gewissensfreiheit, Identität der Kirche, biblische Verankerung, prophetische Ratschläge der reformatorischen Väter, liturgische Wahrhaftigkeit, mediale Lesbarkeit, soziale Empfindsamkeit und Gerechtigkeit, die prophetische Funktion der Kirche also, ökonomische Selbstständigkeit. Wir wandern und sehen, dass die Wegweiser für die nächsten fünfzehn Pilgerjahre in eine Richtung weisen: Ablösung der Kirche vom Staat.

Joel Ruml ist einer von vielen, die ausdauernd auf diesen Horizont verweisen. Er setzt die Linie seines Vaters, des Pfarrers Jiří Ruml gerade in dessen kalvinistischer Orientierung fort. In den kalvinistischen und puritanischen Regionen der Welt ist die Trennung vom Staat bereits seit Jahrhunderten üblich. Den voneinander getrennten Staaten und Kirchen geht es auf ihre Weise besser als in Regionen, die von wirtschaftlicher oder gar politischer Abhängigkeit der Kirche vom Staat gekennzeichnet sind. Staatliche und kirchliche Institutionen mischen sich hier nicht in Kompetenzen, die ihnen nicht gebühren. Die Kirchensteuer wird hier nicht durch den Staat erhoben und die Kirchen wiederum untergraben die Sphäre der Zivilverwaltung nicht durch Hass auf diese Welt und lehnen es nicht ab, Steuern zu Gunsten des Gemeinwohls der Gesellschaft abzuführen.

Joel Ruml gehört zu den Gründungsvätern der unabhängigen Zeitschrift Protestant, deren erste Redaktionssitzungen ab August 1989 stattfanden und bei der er die wirtschaftlich-soziale Rubrik betreute. Er lehnte es nicht ab, mit seiner Frau Lydia in eine Dorf- und dann in eine Kleinstadtgemeinde zu gehen. Er hat auch das Leben in einer Stadtgemeinde kennengelernt, weiß also um Freud und Leid aller Gemeindetypen in unserer Kirche. Er kennt Bibelstunden in Familien, Seelsorgedienst in Jugendstrafanstalten, in Gefängnissen und Krankenhäusern. Hier entspringt wohl seine Überzeugung, dass die Transformation unserer Kirche durchführbar und nicht so furchtbar schmerzhaft ist, wie es einigen Ökonomen unserer Kirche scheint.

Wir wünschen Joel Ruml Freude, Kraft und den Mut eines Pilgers, um gemeinsam mit der Kirche zum Ziel des Weges zu gelangen: zu einer eigenständigen und verantwortlichen Kirche inmitten der bürgerlichen Gesellschaft.

Pavel Keřkovský