Der Heidelberger Katechismus in den Böhmischen Ländern und in Mähren

17. června 2013

In diesem Jahr jährt sich die erste Ausgabe des Heidelberger Katechismus zum 450. Mal, doch es sind dieses Jahr auch 230 Jahre seit seiner ersten tschechischen Ausgabe in der Nach-Toleranzzeit vergangen.

Eines der ersten protestantischen Bücher, das in Böhmen und Mähren nach der Beendigung der Gegenreformation herausgegeben wurde, war gerade der Heidelberger Katechismus. Sein Herausgeber war der damalige Nosislaver Pfarrer Michal Blažek (1753-1827), späterer mährischer reformierter Superintendent.

Es handelte sich jedoch nicht um seine eigene Übersetzung, sondern um eine Neuausgabe der ersten tschechischen Übersetzung des Heidelberger Katechismus aus dem Jahre 1619, die Jakub Akanthydo Mitys angefertigt hatte. Der erste Übersetzer des Heidelberger Katechismus hieß eigentlich Jakub Slavík, seinen Namen schrieb er jedoch griechisch Acanthis (in verschiedenen Varianten, jedoch in der Bedeutung „Stieglitz“). In Anlehnung an seinen Onkel Jan Mitis, den Primas von Velvary, erweiterte er seinen Namen zu Jakub Akantido Mitis. Von Geburt aus ein schlesischer Böhme studierte er an der Prager Universität, als Bakkalaureus verwaltete er ab 1605 eine Schule in Dobrovice. Danach wurde er Priester unter beiderlei Gestalt, kurzzeitig übernahm er die Stelle seines Vaters in Dřinova und ab 1614 wirkte er in Skramníky, von wo aus er drei Jahre nach der Schlacht auf dem Weißen Berg ins Exil ging.

Im Jahre 1619 erschien noch eine lateinisch-tschechische Version des Heidelberger Katechismus, die dritte Ausgabe erschien 1723 im Exil, im südpolnischen Krosna.

Im Jahre 1784 wurde in Kutná Hora (Kuttenberg) eine Übersetzung aus dem Ungarischen herausgegeben. Die erste Übersetzung des Heidelberger Katechismus aus dem deutschen Original ins Tschechische fertigte erst 1867 Hermann von Tardy an, wobei er bemüht war, nicht völlig von der ursprünglichen Übertragung Akathydos aus dem Lateinischen abzuweichen. Tardys Übersetzung war wohl die verbreitetste (sie wurde neun mal aufgelegt), wenn sie auch nicht die einzige war und nicht so einfach angenommen wurde. Auf dem II. Superintendenten-Konvent im Herbst 1867 wurde sogar über ihre Entfernung abgestimmt. Kritisiert wurde sie wegen ihrer veralteten Sprache und Unverständlichkeit. Der Vorschlag wurde jedoch abgelehnt.

Ondřej Macek