Im Jahr 2008 wurde in Deutschland die Lutherdekade eröffnet – ein Programm über zehn Jahre, das seinen Höhepunkt mit dem 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther an der Schlosskirche zu Wittenberg seinen Höhepunkt findet. Gemeinden und Vereine, die Landeskirchen und alle, die möchten, sind eingeladen, am Programm dieser zehn Jahre mitzuwirken. Ein umfangreiches Internet-Portal gibt dazu Anregungen und auch eine Plattform: www.luther2017.de.
Vor dem großen Jubiläumsjahr 2017 wird es in Tschechien das Jan-Hus-Gedenkjahr 2015 geben. Am 6. Juli 2015 werden es genau 600 Jahre, dass Jan Hus auf dem Scheiterhaufen des Konstanzer Konzils verbrannt wurde. Dies ist kein Anlass zum Feiern, doch ein guter Anlass zum Gedenken an diesen großen Reformator der ersten Reformation. Auch sein Tod hat eine ganze Bewegung ausgelöst, die böhmische Reformation, eine große Reformbewegung im Herzen Europas, die freilich auch viele Gegner hatte und deshalb oft auch Blutspuren hinterließ – auf allen Seiten. Die Kirchen in Tschechien und nicht nur die Kirchen haben angefangen, sich auf dieses Gedenken vorzubereiten, mit Ausstellungen, Symposien, Veranstaltungen aller Art, die der Frage nachgehen, was die damalige Reformbewegung uns heute sagen kann. Das ist eine spannende Frage, ist ja auch heute die Frage lebendig, wie sich die Kirche ändern muss, um dem heutigen Menschen glaubwürdig das Evangelium zu predigen.
Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) hat sich vorgenommen, die großen Gedenkjahre mit weiteren Jubiläen zu verbinden. Dabei entwickelt sich eine Kette von Jubiläen über sechs Jahre von 2013 bis zum Jahr 2018.
Im Jahr 2013 jährt sich zum 400. Mal die Herausgabe einer sechsbändigen Bibel mit vielen erklärenden Anmerkungen, die im Jahr 1613 von der damaligen Brüderunität herausgegeben wurde. Diese Bibel wurde in Kralice unweit von Brünn gedruckt. Deshalb ist sie als Kralitzer Bibel bekannt. Diese Bibel mit ihrem prägnanten Kralitzer Tschechisch hat wesentlich die Entwicklung der tschechischen Sprache mitgeprägt. Aber vor allem war sie eine wichtige Hilfe für das Bibelstudium der Laien, das in der alten Brüderunität eine ganz zentrale Rolle gespielt hat. Wie überhaupt die Bibel als Gottes Wort für jeden Christen ein ganz grundlegendes Element für die Reformation ist. Deshalb ist für die EKBB das Jubiläum der Kralitzer Bibel der erste Höhepunkt des Reformationsgedenkens. Neben Veranstaltungen auf Gemeindeebene wird es ein ganzes Wochenende vom 13. bis 15. September 2013 in Kralice und Umgebung geben, bei dem die Geschichte und Bedeutung der Kralitzer Bibel von verschieden Seiten beleuchtet wird. Das Programm wird Elemente für Jüngere und Ältere enthalten, so dass alle auf ihre Kosten kommen.
Neben 400 Jahren Kralitzer Bibel machen sich 40 Jahre Leuenberger Konkordie sehr bescheiden aus. Doch auch dieses Jubiläum ist für die EKBB wichtig, ermöglichte diese Konkordie es doch zum ersten Mal seit der Reformation, dass die reformierten, lutherischen und unierten Kirchen miteinander Abendmahl feiern können, dass sie gegenseitig die Taufe anerkennen und Kanzelgemeinschaft haben, die es ermöglicht, dass die Prediger aus den verschiedenen evangelischen Traditionen einander gegenseitig zum Predigen einladen können. In einem Festgottesdienst in der Roten Kirche in Brünn am 16. Juni 2013 wird dieses Jubiläum gefeiert. Der Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, Bischof Michael Bünker aus Wien, wird bei diesem Festgottesdienst die Predigt halten.
Natürlich ist den Evangelischen auch das Jubiläum der Ankunft der Slawenapostel Cyril und Method im Großmährischen Reich vor 1150 Jahren wichtig, das vor allem von der Orthodoxen Kirche und der Römisch-katholischen Kirche begangen wird. Die Evangelischen wollen dieses Jubiläum zusammen mit den Evangelischen in der Slowakei feiern, und zwar an der Burg Branč am 5. Juli 2013.
Diese Jubiläen bilden den Auftakt der Reformationsgedenkjahre. Weitere Jubiläen folgen: 2014 sind es 600 Jahre, dass in unserer Kirche St. Martin in der Mauer zum ersten Mal das Abendmahl in beiderlei Gestaltausgeteilt wurde. Da ist unsere Gemeinde ganz besonders eingeladen und herausgefordert, dieses Jubiläum mitzugestalten. Nach dem Jan-Hus-Jahr 2015 wird es 2016 ein Gedenken an den Reformator Hieronymus von Prag geben, der ein Jahr nach Hus in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.
Nach dem Lutherjahr 2017 schließt das Gedenken mit dem 100-jährigen Jubiläum der EKBB im Jahr 2018 ab. Alle diese Gedenktage und -jahre sollen ab 2013 auch ihr Internet-Portal haben: www.nase-reformace.cz. Dieses Portal wird jedoch gerade erst vorbereitet. Ab Februar 2013 ist es aktiv, vorerst nur auf tschechisch, doch wer weiß, wie sich diese Sache entwickelt.
Gerhard Frey-Reininghaus