Bei den Lausitzer Sorben in Bautzen

2. května 2012

Vier Vertreter der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder trafen sich in Bautzen (Deutschland) mit Jan Malink, Pfarrer in einer von zehn Gemeinden, in denen sorbisch-deutsche Gottesdienste stattfinden, und Trudla Malinkowa, der Chefredakteurin der Zeitschrift der evangelischen Sorben Pomhaj Bóh. Der Synodalsenior Joel Ruml, die Synodalkuratorin Lia Valková, das Synodalratsmitglied Pavel Stolař und der Kirchenrat für Ökumene Gerhard Frey-Reininghaus besuchten das Ehepaar Malink Ende März auf dem Weg nach Berlin.

Obwohl das Treffen auf deutschem Boden stattfand und die evangelischen Sorben kirchlich der Evangelische-Lutherischen Landeskirche Sachsens (EVLKS) und teilweise der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) angehören, wurde die ganze Zeit über tschechisch und sorbisch gesprochen. In angenehmer Atmosphäre im Wohnzimmer der Malinks ging es um die Knüpfung engerer Kontakte zwischen Gemeinden in der Ober- und Niederlausitz mit tschechischen Protestanten. Vorgeschlagen wurde die Zusammenarbeit bei der gegenseitigen Unterstützung von Studierenden, der Austausch kirchlicher Zeitschriften und die Organisation häufiger persönlicher Treffen. Der Synodalsenior bekam von Pfarrer Malink ein Gesangbuch der evangelischen Sorben mit dem Titel Spěwarske za ewangelskich Serbow und der Widmung „Bohu k česči a Serbam k wužitku“. Das versteht jeder Tscheche.

Die Lausitzer Sorben sind ein kleines westslawisches Volk, das den südöstlichen Teil Ostdeutschlands mit dem historischen Namen Lausitz bewohnt. Sie benutzen zwei selbstständige Schriftsprachen: das Obersorbische und das Niedersorbische. Vom 14. Jahrhundert bis 1635 gehörte die Lausitz zur tschechischen Krone. Nach dem Krieg wurden die Sorben stark aus Prag unterstützt (Gymnasium, Druckerei, Radiosendungen). In der DDR-Zeit wurde ein großangelegtes Netz sorbischer Institutionen geschaffen. Der Preis für diese in der Geschichte der Sorben einzigartigen Unterstützung war die vollständige Integration in die von Kommunisten geführten Strukturen. Gegenwärtig fallen dem Ausländer zuerst die zweisprachigen Namen auf. Die Sorben betreiben ein eigenes Studio beim Fernsehen des MDR. Das Recht der Sorben ist heute in der Verfassung des Freistaates Sachsen verankert. Die sorbischen Gemeinden sind Teil der EVLKS und teilweise der EKBO, etwa in zehn von ihnen finden zweisprachige deutsch-sorbische Gottesdienste statt. Sorbisch als lebendige, von der Bevölkerung benutzte Sprache schwindet, erhalten bleiben jedoch Volksbräuche und Sitten.

gfr/ DaZ